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Bei Investitionen in Firmen lohnt es sich hinzuschauen, wer weitere Aemter bekleidet ((verdächtig sind seit jeher Kreuzmandate)) und wieviel Zeit diese in Anspruch nehmen bzw. im ((selteneren)) positiven Falle der Firma etwas bringen durch Einblicke in verwandte Branchen.
Aktuelles Fallbeispiel ist Sergio Marchionne, der neben Fiat neu auch Chrysler und daneben noch die UBS retten soll/will...
Der Italokanadier schickt sich an, nach Fiat auch noch Chrysler zu sanieren. Bei der UBS hat er als Vizepräsident erst kürzlich zusätzliche Aufgaben übernommen.
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Für den Erfolg bei Chrysler ist Marchionne offenbar zu vielem bereit. Wenn nötig, werde er auch Generaldirektor von Chrysler und würde die beiden Autofirmen parallel führen, sagte er letzte Woche in verschiedenen Medien. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise weist er darauf hin, dass der Automobilbranche eine Strukturbereinigung riesigen Ausmasses bevorstehe. Weltweit werde es danach noch fünf, sechs grosse Autobauer mit einem jährlichen Ausstoss von rund 6 Millionen Fahrzeugen geben. Dabei soll Fiat eine Führungsrolle spielen.
Falls dieser Herr behauptet, er könnte gut delegieren, habe eingespielte Assistenten, würde nie schlafen oder in die Ferien gehen - ich würde ihm das alles glauben aber immer noch nicht in die genannten Firmen im jetzigen Zustand investieren.
Eigentlich mag ich zum Thema seit längerem nichts mehr schreiben und habe mich auch daran gehalten ((gut für den Blutdruck und die Massenmedien berichten ausgiebig dazu nach der UBS-GV vom 15. April)).
Eine Ausnahme: Herr Minder an der gestrigen GV der UBS mit bekannter, aber weiterhin wichtiger Kritik ...
Als erster Aktionär richtete sich Thomas Minder an die Generalversammlung der UBS. Der Schaffhauser Unternehmer, bekannt geworden als treibende Kraft hinter der «Abzocker-Initiative», wandte sich erwartungsgemäss gegen das Honorierungs-Übermass in den UBS-Topetagen.
Als erstes kritisierte er die Vorabzahlungen für Jerker Johansson und Markus U. Diethelm: Der Investment-Banking-Chef und der Chefjurist waren letztes Jahr zur UBS gestossen und hatten im Vorfeld bereits 11 Millionen versprochen bekommen. Dies machte sie zu den bestbezahlten UBS-Leuten 2008.
«Millionen erhalten, bevor man beginnt zu arbeiten - ist das Leistung?», fragte Minder an der Generalversammlung, und er kritisierte diejenigen, die solche «Abzocker-Arbeitsverträge» unterschrieben hatten.
http://www.finews.ch/news/banken/826-ubs-gv-live-minders-kritik-an-alten-loehnen
PS: Nur ein weiteres Detail aus gleicher Quelle zu Alberto Togni...
http://www.finews.ch/news/banken/833-wie-sich-stiftungsrat-togni-fuer-seine-dienste-abfinden-laesst
Gemäss Artikel lässt sich diese vermutete Tatsache bzw. die Höhe des Mandats nicht zweifelsfrei überprüfen, aber dreiviertel Millionen sind so oder so extrem hoch.
Mittlerweile scheint sich Herr Togni bzw. sein Arbeitgeber sich besser mit dem Bundesrat zu verstehen bzw. verstehen zu müssen...
http://www.news.ch/UBS+Vize+Alberto+Togni+kritisiert+den+Bundesrat/67670/detail.htm
PPS: Honi soit qui mal y pense http://de.wikipedia.org/wiki/Filz
Jetzt geht es ans Eingemachte in der UBS-Soapopera...
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Herausgabe von Bankunterlagen oder Dokumenten an die US-Behörden per superprovisorische Verfügung verboten.
Bekanntlich hat die Finma ((bzw. der Bundesrat im Hintergrund)) einen Grund gefunden, die Daten auf den letztmöglichen von den USA genannten Termin ((18.2)) zu liefern.
Die Finma hat die Daten aber bereits an die USA weitergeleitet...Chaos und Theater pur, denn damit ist der Entscheid vorweggenommen. Das wird sicher böses Blut geben.
Wenn die Daten nicht bereits rausgegangen wären ((dieser Teil ist nun für den Moment Makulatur bzw. Gedankenspiel...)):
Die soeben erfolgte Verfügung schützt zwar den rechtsstaatlichen Ablauf in der Schweiz, doch die USA könnten sich nicht mehr länger gedulden und das angedrohte Indictment einleiten oder die Schweiz bzw. die UBS weiter unter Druck setzen:
Was ein Indictment der US-Behörden gegen eine Firma bedeuten kann haben wir zuletzt im Fall Arthur Andersen ((nach dem ENRON Fallout)) gesehen...Toast.
Am Ausgang der Auseinandersetzung könnte das Schicksal der UBS ((zumindest der UBS-Teile in den USA)) hängen.
Wer garantiert, dass die USA die noch hängige Zivilklage gegen 52'000 weitere Kunden nicht ähnlich ausweiten ((oder sie in eine Strafklage umwandeln und wieder mit Indictment drohen)) wird ? Herr Haltiner von der Finma scheint zu beschwichtigen...
Steuerhinterziehung bleibt aber ein Thema.
Die Bedrohungslage ist nun massiv entschärft. Klar, wir hätten gerne auch eine Einigung mit der Steuerbehörde IRS erreicht, was aber nicht möglich war. Immerhin, die gefährlichste Front, die des Department of Justice, und die Front bei der Wertpapieraufsicht SEC sind unter Kontrolle.
Bereitet Ihnen die nun auf Steuerhinterziehung ausgerichtete Zivilklage Sorgen?
Das macht insofern Sorgen, als der zivilrechtliche Teil aus dem Vergleich herausgelöst wurde. Die US-Steuerbehörde will gegenüber ihren eigenen Bürgern signalisieren, dass sie die Sache weiterverfolge, und will sie dazu bringen, sich freiwillig zu stellen.
Wenn dies für den US-Fiskus nicht ergiebig sein sollte, wäre dann der UBS-Vergleich in Gefahr?
Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Die Bank hat alle Rechte, sich in diesem Zivilverfahren zu verteidigen, sie kann unter anderem auch geltend machen, dass sie schweizerisches Recht beachten müsse. Es gibt einen langen Instanzenzug. Nach heutigem Ermessen ist davon auszugehen, dass dieses Verfahren nicht sehr gefährlich sein wird. Die US-Behörden haben allerdings ein Interesse, die Drohkulisse aufrechtzuerhalten.
Das Zivilverfahren ist für die UBS also weniger gefährlich als das vorher angedrohte Strafverfahren?
Das ist zu erwarten. Das Departement of Justice hat einen «case», nicht zuletzt aufgrund der Birkenfeld-Untersuchungen, mit einer Faktenlage, die zeigte, in welchem Ausmass tatsächlich amerikanisches Steuerrecht umgangen wurde.
((Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/_fuer_uns_gab_es_wirklich_nur_schwarz_oder_weiss__1.2055902.html ))
Famous last words? Ich wäre mir da als Laie jedenfalls nicht so sicher. Die USA wollen bei der UBS allem Anschein nach ein Exempel statuieren und der US-Arm der Bank scheint damit weiterhin gefährdet längerfristig. Siehe dazu auch die Einschätzung der NZZ, die USA haben auch im "neuen" Verfahren viele Beweismittel und einen langen Atem:
So werden zahlreiche interne und vertrauliche Dokumente der UBS gezeigt, welche zum einen das Ausmass der inkriminierten Kundenbeziehungen aufzeigen. Danach steht in einem Dokument der Bank vom Dezember 2004, dass rund 52 000 undeklarierte Konten mit Vermögenswerten von rund 17 Mrd. $ bestünden.
...
Im Weiteren wird aus den Dokumenten sichtbar, dass sich die Bank der Risiken des Geschäftes mit US-Kunden mit undeklarierten Konten sehr wohl bewusst war. In einer Übersicht werden als schlimmste mögliche Konsequenzen der Verlust des Qualified-Intermediary-Status und der Banklizenz in den USA sowie Bussen und Strafgelder genannt. Aus zahlreichen weiteren Dokumenten geht hervor, dass man über lange Zeit daraus aber nicht den Schluss gezogen hat, sich aus diesem Geschäft zurückzuziehen, sondern es möglichst gut vor den US-Behörden zu verbergen. Diese verantwortungslose und kurzsichtige Haltung schlägt jetzt erbarmungslos auf die Bank zurück.
((Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/die_ubs_bleibt_in_den_usa_in_der_defensive_1.2056026.html ))
Erstaunlich, wenn die Führung der Bank weiterhin von wenigen Einzelfällen redet, die Regeln in den USA missachtet hätten. Den UBS-Aktionären wünsche ich weiterhin viel Glück ((von einem Kauf hatte ich ja vor Monaten oft genug gewarnt, die Aktien könnten nun sogar noch unter 10 CHF fallen...)).
Nach den USA werden weitere Staaten der G20 verstärkt bei der Schweiz anklopfen. England und Deutschland tun es schon, der nächste G20-Gipfel wird nicht leicht für die Schweiz. Die ausländischen Regierungen werden inmitten der Finanzkrise schnell einen Sündenbock gefunden haben...
Brown targets Switzerland in global tax haven crackdown
Tough controls on offshore regimes as avoidance costs taxpayers billions
http://www.guardian.co.uk/business/2009/feb/19/gordon-brown-tax-avoidance-switzerland
Siehe auch kurze Analyse in der NZZ:
Im 2004 abgeschlossenen Betrugsabkommen wurde die Amts- und Rechtshilfe unter gewissen Bedingungen auf die Hinterziehung von indirekten Steuern ausgedehnt. Im Gegenzug lenkte die EU bei der Zinsbesteuerung ein, was den Präsidenten der Bankiervereinigung und Genfer Privatbankier Pierre Mirabaud zur Aussage verleiten liess, das Bankgeheimnis sei für mindestens 15 Jahre «betoniert».
Der nun erfolgte «Sündenfall» in der UBS-Affäre, der Druck der OECD sowie der Nachbarländer Deutschland und Frankreich auf die als «Steueroase» angeprangerte Schweiz machen deutlich, dass die Finanzkrise einen dicken Strich durch diese Prognose machen könnte. Hinter vorgehaltener Hand werden auch in Behördenkreisen und auf dem Finanzplatz Alternativen zur Bankgeheimnis-Durchhalteparole erörtert. Kosten-Nutzen-Überlegungen werden angestellt, und die Forderung wird erhoben, es gelte in internationalen Verhandlungen für die Lockerung des Bankgeheimnisses möglichst viel herauszuholen.
http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/der_mythos_broeckelt_weiter__1.2041795.html
Die offizielle Durchhalteparole war bisher "nicht verhandelbar" ((und das Bankgeheimnis solle in der Verfassung verankert werden)). Offenbar glaubt man nicht mehr so daran...
Das Geld der reichen Erdenbürger könnte in Zukunft vermehrt in aufstrebende Finanzzentren wie Dubai oder Singapur wandern...
Die fetten Jahre sind vorbei...
Die langfristigen Auswirkungen werden noch zu reden geben...
As part of that agreement, UBS has agreed to immediately provide the U.S. government with the identities and account information of some U.S. customers.
The bank also has agreed to pay $780 million in fines, penalties and restitution.
http://online.wsj.com/article/SB123499439400216483.html
Originaltext als PDF:
http://wsj.com/public/resources/documents/UBSDeferredProsecutionAgreement20090219.pdf
Vielleicht bin ich zu blöd um das in Kürze zu verstehen - aber: Wenn der Bundesrat kein Notrecht anwendet oder anwenden lässt ((was behauptet wird...)), sehe ich keine Grundlage wie die UBS diese Kundendaten herausgeben kann ohne damit Gegenklagen oder langwierige Auseinandersetzungen in der Schweiz auszulösen. War es ein einfaches Abwägen ? Lieber eine Auseinandersetzung mit einigen Ex-Kunden in der Schweiz als Daumenschrauben für das US-Geschäft mit viel höheren ((finanziellen)) Risiken ?
Scheinbar liess man dafür die kleineren Fische laufen seitens der USA...
UBS fournira 250 noms de clients à la justice américaine, alors qu’il n’est pas encore établi s’ils sont coupables de fraude ou d’évasion. La procédure, qui viole le droit suisse, est contestée. En échange, les Etats-Unis renoncent à réclamer 19’000 autres noms de clients
http://www.letemps.ch/Page/Uuid/8d0b5cf0-fe05-11dd-b35d-0367b1678fb8/La_Suisse_l%C3%A8ve_le_secret_bancaire
Die Zeitung letemps scheint die ersten und aktuellsten Informationen zu dieser Geschichte zu haben, mittlerweile wurden Details im WSJ, Bloomberg und der Schweizer Presse aufgegriffen.
PS: Ueber die UBS hinaus könnte das ein Präzedenzfall sein. Ein Bärendienst für den Bankenplatz Schweiz und das Rechtsverständnis bzw. die Rechtssicherheit für Kunden ? Siehe dazu auch...
Der Bundesrat hat die Daten-Auslieferung von rund 300 amerikanischen UBS-Kunden erlaubt. Wird damit Recht ausgehebelt?
Rainer Schweizer: Zuerst einmal bin ich ganz einfach betroffen über dieses Vorgehen. Damit wird in hängige Verfahren eingegriffen. Neun Beschwerden sind in dieser Sache offenbar vor dem Bundesverwaltungsgericht hängig. Wenn tatsächlich auch die Daten dieser Kunden an die US-Behörden auf Anweisung der Finanzmarktaufsicht herausgegeben werden, ist dies eine klare Verletzung des Prinzips der Gewaltentrennung.
((siehe http://www.20min.ch/finance/dossier/ubskrise/story/-Ich-bin-erschuettert--29447540 ))
UBS: Unser Banken-System im Umbruch. Hier die nackten Zahlen, in etwa im Rahmen der Schätzungen...
http://www.ubs.com/1/e/investors/topics.html
...der Blick heizt die Stimmung nach etlichen Kommunikationspannen der Bank weiter an:
http://www.blick.ch/news/wirtschaft/hose-runter-bei-der-ubs-111748
Die heutige Sendung ((ab dem frühen Abend)) auf Telezüri verspricht aufgrund der Gästeliste interessant zu werden für eine erste Reflektion:
Alles zur UBS-Bilanzmedienkonferenz im “TalkTäglich”.
- Franz Jaeger; Wirtschaftsprofessor
- Martin Spieler; Chefredaktor “HandelsZeitung”
- Lukas Hässig; Wirtschaftsjournalist und Autor von “Der UBS-Crash”
http://www.telezueri.ch/index.php?id=6815
PS: Ich werde in den nächsten Tagen/Wochen wieder etwas zum Thema schreiben, momentan fehlt mir der Ueberblick zu weiteren Zahlen und das Thema wird heute ((auch über die Schweizer Grenzen)) sowieso überall ausführlich behandelt werden.
Update vom 12.2.2009: Die Verluste von UBS und CS im historischen Vergleich...
In Kürze ((Februar 2009)) werden die Stimulationspakete für die US-Wirtschaft und sehr wahrscheinlich auch ein "Bad Bank"-Programm duch die Obama-Administration verabschiedet bzw. vorgestellt. Euphorie scheint mir aber fehl am Platz.
Interessante Ansichten des erfahrenen Value-Managers de Vaulx, der weiterhin sehr pessimistisch bleibt:
On balance, foreign stocks are more compelling than U.S. stocks, says Charles de Vaulx, who joined New York-based International Value Advisers LLC as a partner last year after building an excellent long-term track record as a manager at the First Eagle funds. The U.S. is "the one country where we've found the least value," says Mr. de Vaulx. He notes that U.S. stocks haven't come down as much as their foreign counterparts, adding that many U.S. companies are overloaded with debt and that the country's financial system will continue to be hit by bad consumer loans and real-estate woes.
http://online.wsj.com/article/SB123308918983621063.html
Mit seiner Inflationsthese stimme ich ((kurzfristig sehe ich eher Deflation und erst später Inflationsprobleme)) nicht überein und ich sehe exportorientierte US-Aktien kurzfristig weiterhin als interessant an.
Aber ansonsten sehe ich ähnliche sehr grosse Probleme in den USA ((siehe dazu auch meine früheren Blogeinträge));
man betrachte die Entwicklung der US-Arbeitslosenzahlen im Vergleich zu vergangenen Rezessionen an:
Zudem wären die aktuellen Arbeitslosenzahlen im historischen Vergleich noch höher aufgrund von Messänderungen ((ich kann hier nicht auf Details eingehen, Interessierte mögen zu Statistikänderungen googeln...)).
PS: A propos Arbeitslosenzahlen. Heute wird die UBS die Quartalszahlen vorstellen, was in den USA und der Schweiz einen grösseren Stellenabbau mit sich bringen dürfte...man spricht von 5000 bis 10'000 Stellen, vielleicht sogar an der Konzernspitze ? Auf jeden Fall könnten die daraus resultierenden Veränderungen das Finanzsystem in der Schweiz auf den Kopf stellen...mehr dazu im nächsten Post und in den nächsten Tagen ((am Mittwoch informiert auch die CS)), wenn sich der Rauch wieder etwas gelegt hat.
Das schrieb ich vor genau drei Wochen...
http://talesfromthefuture.vox.com/library/post/hypo-real-estate-lbbw-the-beat-goes-on.html
Mittlerweile sind zwei der drei genannten Banken unter staatlicher Aufsicht. Wann folgt die dritte damals genannte Bank ? Ein lesenswerter Blogeintrag aus Deutschland zu Bank drei ((LBBW)), die aufgrund der hohen Verschuldung leider auch für Staatshilfe prädestiniert scheint:
Das Leverage Ratio (Verhältnis Total Assets bzw. Bilanzsumme zu Eigenkapital) beträgt bei der LBBW das 57,8-fache und zeigt einen unverantwortlichen Leverage Effekt an, auf einen Euro Eigenkapital, wird ein Hebel von 57,8 Euro Fremdkapital eingesetzt.
Selbst die US-Investmentbanken sind in ihrer Spekulationswut nicht so weit gegangen. Lehman Brothers Leverage Ratio lag beim Chapter 11 beim 21,1- fachen. Bei Goldman Sachs liegt das Leverage Ratio aktuell bei 23,7, Morgan Stanley hebelt mit dem 27,6-fachen und die Investmentbanker von Merrill Lynch, nun von der Bank of America geschluckt, hebelten mit dem 27,8 fachen. Eine Citigroup mit einem Leverage Ratio von 15,4 erscheint in diesem Licht fast als "konservative Bank"!
Die LBBW hält insgesamt ein Portfolio an Kreditverbriefungen in Höhe von 27,1 Mrd. EUR (davon 6,1 Mrd. EUR der Sachsen LB)! 23,9 Mrd. EUR davon sind "Investments" in Asset Backed Securities (ABS) und Mortgage Backed Securities (MBS).
Quelle: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/10/lbbw-ein-sicherer-kandidat.html
Das erschreckende ist weiterhin, dass man mit relativ wenig Aufwand und Durchsicht von Kennzahlen und Problempositionen schon Wochen vor den Zusammenbrüchen ((wie schon in den USA vorher)) prognostizieren kann, welche Banken bald die Segel streichen werden.
Wie sieht es lokal aus ? Bei der UBS scheint die Schweizer Bevölkerung erst langsam zu erahnen, wie schlimm es um die Bank stand. Die Pressearbeit und PR gestaltete sich in den letzten Tagen zum Fiasko für die UBS in der Schweiz, die Folgen ((weiterer Vertrauensverlust)) für den zusätzlichen Nettogeldabfluss im laufenden Quartal könnten schwerwiegend sein. Demgegenüber kann sich die CS relativ ((mit Ausnahme der strukturierten Produkte rund um Lehman Brothers)) gut hinter dem Rücken der UBS verstecken und konnte sogar leicht Kundengelder hinzugewinnen in letzter Zeit.
Folgendes schrieb ein Blogger im Handelsblatt - unter anderem wurden die Commerzbank ((nach Schluckauf der Dresdner)), die Fortis und die Schweizer UBS namentlich erwähnt - kurze Zeit später war der fragliche Text verschwunden:
http://blogbar.de/archiv/2008/10/03/wie-das-handelsblatt-mit-seinen-blogger-zensiert
(( Der Autor des Eintrags bzw. des Blogs ? Immerhin ein Professor der Wirtschaftswissenschaften, siehe
http://www2.wiwi.hu-berlin.de/institute/wpol/html/uhlig/uhlig.html : Mittlerweile hat er die Entschuldigung der Redaktion akzeptiert und macht weiter: http://oekonomie.blogg.de/eintrag.php?id=42 ))
PS: Soeben hat auch die Grossbank ING Staatshilfe beanspruchen müssen, der Aktienkurs brach gegen Ende letzter Woche stark ein nach Bekanntgabe von Verlusten...
Das schreibt heute ein Herr G.S....
Trotz all der positiven Aspekte muss man das Gelingen des Plans aber mit einem Fragezeichen versehen. Zum einen können die internationalen Entwicklungen der Schweiz einen Strich durch die Rechnung machen. Zum anderen wird entscheidend sein, dass dank dem Plan wieder Vertrauen ins Finanzsystem zurückkehrt. Hier ist jedoch, vorsichtig ausgedrückt, einiges schief gelaufen.
Die jetzige Führung der UBS hat noch vor wenigen Wochen an der ausserordentlichen Generalversammlung Optimismus verbreitet und damit Aktionäre, Mitarbeiter, Medien und Öffentlichkeit in die Irre geführt. Und die Bundesräte, auch solche, die über das Rettungspaket im Bild sein mussten, haben bis vor wenigen Tagen ins gleiche Horn gestossen und der Öffentlichkeit vorgemacht, die Schweiz sei quasi eine Insel der Seligen im Sturm.
...seines Zeichens Leiter der Wirtschaftsredaktion der wahrlich nicht linken oder wirtschafts- bzw. finanzfeindlichen NZZ. Schön, dass man bei der NZZ Klartext redet und nicht mehr wie damals beim Thema Swissair laviert.
Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/nationalbank_notrecht_ubs_cs_1.1116637.html
Derweil übt sich Toni Brunner (SVP) in einer Stellungnahme in anderen wirren Dolchstosstheorien: Die böse EU habe mit ihren Garantien diese Staatsaktion für die UBS erst nötig gemacht. Ja, warum haben denn die anderen Schweizer Banken kein Geld vom Staat geholt holen müssen, wenn dem so wäre ? Die Bauern holen das nötige Geld ja auch beim Staat, das hat die SVP noch nie gestört...
Witz des Tages: Was ist der Unterscheid zwischen einem UBS-Banker und einem Schweizer Bauern ? Keiner. Beide bekommen das Geld vom Staat und keinen Bonus.
Fazit: Zum Glück hat die UBS seit anfangs Oktober 2008 Leute im Verwaltungsrat, die etwas vom Bankgeschäft verstehen anstelle eines Parteibüchleins der grössten Schweizer Partei. Vielleicht haben die neuen VR-Mitglieder (( wie etwa Rainer-Marc Frey, der mit 45 Jahren und eigenen Milliarden beruflich genug Optionen hat... )) die Bilanzen, Mittelströme und Liquiditätspositionen angeschaut in den letzten Wochen oder/und eine Ueberprüfung veranlasst ? Ich habe keine Information dazu, aber die Kehrtwende wenige Tage nach der ausserordentlichen GV ist ein ausserordentlicher Vertrauensbruch.