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So sehr ich Prognosen auch nicht mag, nach dem 30. Juni ist Halbzeit und deshalb Hochzeit für Auguren. Hier meine Annahmen für das zweite Halbjahr:
- Realwirtschaft: Unsicherheit bis in den Herbst, die Prognosewerte werden im negativen Bereich übertroffen ((insbesondere die weiter steigenden Arbeitslosenzahlen in den USA und weiteren Ländern !)). Ausgabenknappheit der öffentlichen Hand und allgemeiner Backlash gegen die Finanzwirtschaft; drohender Protektionismus. Divergenz zwischen gutkapitalisierten und schlecht kapitalisierten Firmen verstärkt sich und wird langjährige Rankings umwerfen ((prominentes Fallbeispiel in der Schweiz etwa CS vor UBS als führende Bank)). Ich sehe generell die meisten Chancen in Südostasien und Lateinamerika vor den USA und diese wiederum vor Westeuropa...
- Börse: Range-bound trading ((bevorzugt also weiter Trader gegenüber Investoren)) im zweiten Halbjahr 2009: die grossen Sprünge sind fürs erste vorbei. Im Sommer/Herbst 2009 könnte es nochmals spannend gegen unten werden, wenn sich die realwirtschaftliche Lage nicht verbessert. Deflation oder zumindest Desinflation ((mit Ausnahme von Rohöl und eventuell Gold)) bis und mit 2010, eine drohende höhere Inflation ist erst danach ein Thema.
Nachfolgend die Performance des Tradingportfolios bis zum 1. Juli 2009. Im Juni betrug die Performance jämmerliche +0.1% in USD ((auch aufgrund meiner Unsicherheit und des hohen Cashanteils)); über das erste halbe Jahr 2009 lässt sich die Performance doch sehen im Vergleich zum S&P 500 ((ingesamt + 89.5 % in USD seit Herbst 2008)):
PS: Das TFTF 2.0-Startdatum ist vorausichtlich im Herbst 2009, bis dahin läuft das Tradingportfolio normal weiter.
PPS: Edit/Update: Die obige Prognose habe ich vor Veröffentlichung der neuen US-Arbeitslosenzahlen vom 3. Juli geschrieben, scheinen die negative Prognose zu bestätigen...
http://www.ariva.de/news/US-Beschaeftigtenzahl-sinkt-staerker-als-erwartet-3013343
Ich schliesse mit diesem Nachtrag Teil III der Börsenwarnungen ab. Ueber der erwähnten Spitze der Pyramide ((mit dem Gros der Analysten und Grossbanken)) stehen noch einige "Gurus" und Staranalysten/Fondsmanager, die bildlich gesprochen über der Pyramide schweben - selbst Banken und Analysten schauen zu ihren Empfehlungen hinauf.
Wie globale Markenartik((l))er finden Aussagen von einigen wenigen Gurus und Hedge-Fonds-Manager weltweit Beachtung - man denke etwa an den Anstieg einer grossen Aktie wie Coca-Cola, nur weil sie Warren Buffett im Portfolio hat, hier sind Kurssprünge von bis zu 5 oder 10% keine Seltenheit ((und oft ist es nur ein Gerücht und noch keine belegte Investition...)).
((Gurus und grosse Fonds haben im Gegenzug das Problem, dass sie schwierig zu einem bestimmten Preis unauffällig kaufen oder verkaufen können, da ihre Transaktionen und die Gerüchte ähnlich wie bei einer Uebernahme einer Firma den Kurs stark und rasch bewegen können...))
Im Gegensatz zu "normalen" Analysten kann man wenigstens sagen, dass Gurus und HedgeFonds-Manager oft nachweislich grossen bis sehr grossen Erfolg an der Börse hatten und zudem oft eigenes und nicht nur fremdes Geld anlegten. So macht es durchaus Sinn, deren Transaktionen zu verfolgen, etwa auf dieser Seite...
http://www.gurufocus.com/ ((bekannte US-Gurus und Hedge-Fond Manager))
sowie auf...
http://www.citywire.co.uk/selector/fund-manager-performance/home.aspx ((Fonds-Manager Europa))
Nebst Bewegungen in einzelnen Anlagen können global bekannte Gurus wie etwa Jim Rogers sogar als Katalysatoren ganze Sektoren bewegen. In seinem Fall etwa einen Boom bei Rohstoffinvestionen und ETFs...
http://www.manager-magazin.de/geld/geldanlage/0,2828,535353,00.html
...den er weltweit immer wieder in Büchern, Vorträgen und Interviews als Superzyklus für die kommenden Jahre "predigt".
Ein anderes Beispiel: "Guru" Joel Greenblatt hat ein interessantes Buch geschrieben, das den Value-Ansatz mit einigen anderen Kennzahlen verbindet und daraus die PR-wirksame "Magic Formula" abgeleitet, die auf Knopfdruck interessante Anlagemöglichkeiten generiert bzw. generieren soll. In der Theorie und Praxis machen die verwendeten Kennzahlen meiner Meinung nach durchaus Sinn, siehe etwa hier für eine kurze Besprechung des Buchs...
http://www.thesimpledollar.com/2007/07/20/review-the-little-book-that-beats-the-market/
((siehe insbesondere Kapitel 10 für eine Zusammenfassung der Formel))
in der Realität sieht das Resultat über die letzten Jahre aber recht ernüchternd aus...
http://icarra.com/viewPortfolio.php?id=2489&type=holdings
http://caps.fool.com/player/trackjgreenblatt.aspx
...und stimmt bisher nicht mit der von Greenblatt im Buch erwähnten Performance über die letzten Jahre überein.
((Fairerweise muss man zur Performance sagen, dass Greenblatt empfiehlt, die Aktien nach einem Jahr - aus steuerlichen Gründen knapp vor oder nach 12 Monaten bei Gewinn/Verlust - zu verkaufen, die Performance aber über mehrere Jahre zu beachten, man müsste also noch etwas länger warten...)).
Fazit: Bei Börsengurus und Staranalysten lohnt es sich meiner Meinung - nach Studium des Erfolgsausweises über mehrere Jahre - genauer hinzuschauen, denn auch hier gilt oft: Oft können diese Markt mit ihrem "Thema" über einige Zeit schlagen und verschwinden dann wieder bzw. fallen mit den Ergebnissen zurück. Ausnahmen bestätigen die Regel - siehe Warren Buffett und Kollegen :) . Finanzmedien brauchen allerdings kurzfristig "Stars" und laden je nach Modethema den gegenwärtigen "Outperformer" ein.
In jedem Fall lohnt es sich also, den Betrachtungszeitraum der Ueber-Performance genügend lange zu wählen, im besten Falle 5 oder 10 Jahre, denn über kurze Zeit gelingt es einigen Anlegern den Gesamtmarkt mit einem Modethema bzw. einer Blase zu schlagen ((darauf folgt dann allerdings meist ein jäher Absturz)). Zudem sind auch diese bekannten Anleger aufgrund der eingesetzten Geldmassen gezwungen auf grosse bis sehr grosse Industrietitel zu setzen...